Dasein Raum für Schamanisches und Rituelles

 

Schwellengang oder Medicine Walk: was ist das?

 

In allen Zeiten und quer durch alle Kulturen war und ist den Menschen die heilende und unterstützende Wirkung einer Auszeit in der Natur bekannt. Für den Gang in die Natur findet man dafür entsprechend viele Bezeichnungen: zum Beispiel Schwellengang, Medizinwanderung (Medicine Walk)Walkabout oder (in einer erweiterten Form) Visionssuche.

Es geht dabei um eine Solozeit in der Natur, die sehr kurz sein kann (wenige Minuten) oder auch einige Tage dauern wie bei der Visionssuche. Diese Auszeit wird in der Regel mit einer Absicht verbunden: einer Frage, einer Lösungssuche, einer Suche nach Inspiration, dem Wunsch nach Heilung emotionaler Wunden oder Erlösung aus Gedankenkarusellen, um nur einige Beispiele zu nennen. Fernab aller Ablenkung in der Stille der Natur öffnen wir uns dann für die Antworten.

Ein Schwellengang ist also mehr als nur ein Spaziergang oder eine Wanderung!
Mit einem Schwellengang öffnen wir einen Raum, in dem die innere Welt, die innere Natur, mit der äußeren Welt, der äußeren Natur in Beziehung tritt und mit ihr interagiert.
In diesem Resonanzraum können wir dann verweilen: wir lauschen und erkunden mit allen Sinnen den Beziehungsraum zwischen uns und den lebendigen Kräften der Natur. Die Idee dahinter: statt mit unserem begrenzten Verstand nach Antworten zu suchen, bitten wir das Leben um Antworten – in Gewissheit unserer Verbundenheit mit Allem, was lebt.

Dabei bietet sich die Natur als Spiegel an: sie gibt ihre Antworten in ihrer ganz eigenen Sprache: durch Zeichen, Symbole, Botschaften, durch Begegnungen mit Tieren, Pflanzen, Geräuschen, Düften, oder durch das Eintauchen in die große alles umfassende Stille – wir können das alles wahrnehmen und damit in Resonanz gehen.

Es geht dabei also nicht um ein „direktes“ Finden und Suchen. Es geht darum, sich einfach hinzugeben, dahin zu gehen, wo es uns hinzieht und dabei im Hier und Jetzt zu sein und bewusst wahrzunehmen, was uns begegnet; was wir hören und fühlen: vielleicht begegnet uns ein Tier oder eine bestimmte Pflanze oder wir lassen uns an einem Ort nieder, der zu uns spricht. Dabei versuchen wir auch, uns selbst aufmerksam wahrzunehmen, unsere Gefühle, Gedanken und/oder Körperwahrnehmungen.

Die Natur bewertet uns nicht, sie nimmt uns so an, wie wir sind. So wird der Schwellengang zu unserem Spiegel. Wir erleben, dass die Natur all das, was uns bewegt, unser Inneres und unsere Lebensthemen, bewertungsfrei spiegelt und in uns Einsichten, neue Perspektiven, Lösungen oder Impulse auslösen kann, die uns so nicht bewusst waren.

Die Prozesse, die durch einen Schwellengang in Gang gesetzt werden, können sehr tief gehen und weit reichen: es ist eine wunderbare Form, mehr über sich selbst zu erfahren und in sich Selbst, unserem „Zuhause“, anzukommen und Neues zu verankern.

Einen Erklärungsansatz dafür kann die Wahrnehmungspsychologie bieten. Mit unserer Absicht, bzw. Frage filtert unser Gehirn bestimmte Reize und lässt nur Reize hinein, die unserer Absicht entsprechen. Unsere Wahrnehmung ist auf etwas ausgerichtet, das wir dann im Außen wahrnehmen. So nehmen wir auf einem Schwellengang die Symbole wahr, die uns Antworten auf unsere Fragen geben, weil unser Gehirn die Reize entsprechend filtert.

Doch die „Wunder“ und "Synchronizitäten", die wir auf einem Schwellengang erleben können, kann dieser Ansatz nicht erklären, denn über der Schwelle kommt noch eine weitere Ebene hinzu: die spirituelle Welt der Natur, das große Unbekannte, die Mystik, das Heilige, das Leben oder wie auch immer wir es nennen möchten. Denn welchem Wetter, welchem Tier oder Menschen wir begegnen, können wir nicht steuern durch unsere Filter, sondern sie tauchen meist überraschend auf mit einer nur für uns bestimmten Botschaft und Medizin.

Das Wort „Schwelle“ stammt aus dem Althochdeutschen "swella", was ursprünglich den Balken am Eingang eines Hauses bezeichnete – einen Ort des Übergangs. Doch eine Schwelle kann noch sehr viel mehr sein: sie ist ein kraftvoller spiritueller Ort des Wandels. Sie ist die Grenze zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Bekannten und dem Mysterium. In vielen Kulturen symbolisiert Schwelle den Übergang von einem Zustand in einen anderen – zum Beispiel vom Bekannten ins Unbekannte, vom Gewohnten ins Neue. Es ist der Moment, in dem man eine Grenze überschreitet, was Veränderung und Entwicklung mit sich bringen kann. Sie ist wie eine Einladung, sich auf das Unbekannte einzulassen und Neues zu entdecken und erinnert uns daran, dass Veränderung ein natürlicher Teil des Lebens ist und dass jeder Übergang eine Gelegenheit sein kann, sich weiterzuentwickeln.

Eine Schwelle kann eine ganz materielle Form haben - eine Stufe, ein Stein, ein Ast oder eine Schattengrenze – sie kann aber auch einfach nur gedacht werden („Hier genau ist meine Schwelle“ oder „in 5 Minuten beginnt meine Schwelle“ etc.).

Wenn wir uns auf einen Schwellengang begeben, überschreiten wir also eine „Schwelle“, und wir sind ab diesem Moment mit der spirituellen Welt der Natur verbunden.

Wir versuchen, uns möglichst wenig auf den üblichen Wegen aufzuhalten, wir verlangsamen unser übliches Alltags-Tempo und werden ganz langsam, damit wir immer wieder verweilen und mit allen Sinnen wahrnehmen können - wie ein neugieriges Kind, das ganz im Moment ist und staunend seine Umgebung wahrnimmt. So sind wir unterwegs, nehmen wahr mit allen Sinnen, gehen in Dialog. Die Natur ist dabei die Lehrmeisterin, sie schenkt Symbole und Gleichnisse, die uns helfen, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten in uns zu finden. Sie gibt uns Schutz, sie unterstützt und trägt uns: die Pflanzen, Kräuter, Bäume und Tiere, Himmel und Erde und alle Naturwesen um uns herum sind auf unserem Weg an unserer Seite und die Fragen, die uns bewegen, können sich wandeln in Antworten.

Am Ende des Schwellengangs überschreiten wir wieder eine Schwelle, um das Ritual bewusst zu beenden und wieder ganz im Hier und Jetzt anzukommen.

Über der Schwelle gelten drei Tabus: Kein Essen, keine Gesellschaft, kein Dach überm Kopf.

 

Ablauf eines Seminars:

Ankommen, kurze Vorstellungsrunde.
Kurzer theoretischer Input zu dem aktuellen Thema, eventuell eine schamanische Reise.
Pause
Dann die Auszeit in der Natur (in der Regel 2-3 Stunden)
Danach teilen wir unsere Geschichten in der Gruppe.

 

 

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